Soziale Isolation


Diesen unten folgenden Text mit dem Titel „Soziale Isolation“ habe ich vor einem Jahr geschrieben. Da standen wir noch ganz am Anfang der Coronazeit und ich war naiv mit meinen Gedanken, denn ich ahnte nicht, dass es tatsächlich noch schlimmer werden kann als es ohnehin schon war.
Nun leben wir seit einem Jahr selbst fast wie in einem Heim. Unsere Kontakte sind reduziert, unser Radius ist eng, man bestimmt unser Leben, sagt was erlaubt ist und was nicht; sagt wann wir dies oder jenes dürfen. So sieht unser Leben seit einem Jahr aus. Ein Ende ist nicht absehbar. Fragen türmen sich. Keiner weiß Bescheid. Keiner weiß, was geschieht. Trotzdem raufen wir uns. Bewerfen uns gegenseitig mit Schmutz. Zeigen mit dem Finger auf den anderen. Grenzen Menschen aus. Kurz: wir haben uns nicht verändert. Gestern oder heute, wir bleiben immer nur Menschen. Wir leben inmitten eines weltweiten Chaos der sich nie beruhigt hat und auch nicht beruhigen wird. Ganz einfach weil es uns gibt.
Soziale Isolation
Lieber Leser, stellen Sie sich vor, Sie wären alt und in einem Heim.
Stellen Sie sich vor a.) es könnte zu jeder Zeit ein Besucher zu Ihnen kommen, da die Türen offen, doch es käme keiner und b.) es könnte sowieso kein Besucher zu Ihnen kommen, da alle Türen verschlossen.
Welche Situation ist weniger schmerzvoll? Welche der beiden führt zum Gefühl einer sozialen Isolation? Welche der beiden Situation birgt eine größere Tragödie in sich?
Liebe Leser, wer von Ihnen glaubt, die soziale Isolation der Heime sei eine neuartige Coronaerscheinung, dem soll gesagt werden: Heime waren auch schon vorher isoliert! Die Menschen in den Heimen waren auch schon vorher isoliert. Die Menschen in den Heimen waren schon vorher verwahrlost. Die Menschen in den Heimen waren schon vorher ausgeliefert.Und zwar gnadenlos!
Wer glaubt, dass unter normalen Umständen, also jenseits der Coronazeit, die Angehörigen und die Besucher scharenweise in die Heime strömten, dem soll gesagt werden: die allerwenigsten Bewohner wurden von ihren Angehörigen oder überhaupt von irgendjemanden besucht. Die meisten erhielten keinen Besuch! Gar keinen und nie!
Wer glaubt, dass unter normalen Umständen in den Häusern das Leben tobt, dem soll gesagt werden, dass es in den Häusern immer still ist und immer stiller wird. Dem soll gesagt werden, dass die meisten Bewohner in ihren Betten dahinvegetieren und hoffen, endlich sterben zu dürfen.
Die soziale Isolation und die Verwahrlosung der alten Menschen wird mit der Aufhebung der Coronasanktionen kein Ende finden.
Die soziale Isolation der alten Menschen hat es schon vorher gegeben und wird es auch noch hinterher geben. Erst Recht dann, wenn es jetzt so dargestellt wird, als sei das eine Sache, die mit dem Abklingen der Coronazeit automatisch ein Ende findet, weil sie lediglich nur ein Kind dieser besonderen Zeit ist.
Eine derartige Darstellung ist eine Verblendung und ist das Schlimmste, was passieren konnte. Und alle, die sich auf dieses Pferd aufschwingen und jetzt schreien, wie verwahrlost die alten Menschen jetzt sind, sollten nicht vergessen, was sie damit anrichten. Denn hinterher, wenn alles überstanden, wird sie keiner mehr hören und erhören wollen. Denn Corona und somit der Grund für diesen Zustand ist überwunden.
Die Verwahrlosung der alten Menschen ist keine Coronaerscheinung!

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