Denn sie wissen nicht, was auf sie wartet


Alte Menschen haben, wie ich schon des öfteren merken musste, einen ganz besonderen Humor.

Gestern war ich zur Probe. In einer Seniorenwohnanlage. Geplant sind vier Weihnachtskonzerte mit Kindern aus der benachbarten Schule.

Diese, meine Idee des gemeinsamen Singens, entstand so zu sagen unterm Weihnachtsbaum. Letztes Jahr, als wir schon einmal mit den Kindern der Schule mehr oder wenig zufällig gemeinsam sangen.

Der Glanz in den Kinderaugen als sie den alten Menschen begegneten und das dadurch wach geküsste Leben in den sonst so müd´ gewordenen Seniorenaugen trieb mich zu dem Entschluss, aus diesem gemeinsamen Singen etwas Konstantes zu machen. So entstand das Projekt: „Alt und jung singen und dies gemeinsam“

So sangen wir auch schon zum Sommerfest der Schule.

Die Botschaft hat fast jeden im Publikum getroffen. Der seltene Anblick des Lebens, des Aufeinandertreffens von Anfang und Ende ging an fast keinem Herz spurlos vorbei.

Nun ist Weihnachten.

Viel Möglichkeiten zu Proben haben wir nicht. Der Arbeitskalender der Kinder gestattet dies nicht.  Ihre Tage sind komplett verplant.

Doch gestern war es so weit. Wir probten.

Die Kinder kamen, wie eigentlich immer, mit der Lehrerin. Zu Fuß, denn die Schule ist fast gleich nebenan.

Die Probe an sich verlief ganz gut. Die Kinder waren zwar unruhig, aber die Lehrerin hatte sie alle gut unter Kontrolle.

Nach 45 Minuten mussten sie wieder zurück in die Schule. Der nächste Kurs wartete schon auf sie.

Ihr Abschied war, wie eigentlich immer, sehr ohrenbetäubend denn alle schrien sie uns einzeln ein

„ Tschüüüß“ zu.

Ich blieb noch bei den Senioren, denn es gab noch einiges zu besprechen.

Ich setzte mich zu ihnen und sagte:

„ Wir klären gleich, wann und wo wir uns an den Tagen treffen. Ich will nur abwarten, bis die Kinder gehen.“

Nach meinem zwanzigsten „Tschüüüß!“ und Winkewinke sagte ich zu den Senioren: „ Oje, die Kinder sind sehr unruhig und laut.“

Darauf erhielt ich die Antwort: „Ach, da machen Sie sich mal keine Sorgen. Die werden schon ruhiger, wenn sie mal hier wohnen.“

Mit diesem gekonnten Brückenschlag hatte ich nicht gerechnet.

Doch er war treffend.

Wir alle mussten lachen.

Und ein Herr sagte noch beim Lachen:

„Ja, ja, die wissen nicht, was noch alles auf sie wartet!“

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