Die heilende Kraft der Musik


Guten Morgen, neben meiner Tätigkeit als Verkäuferin in einer Bäckerei lebe ich auch ab und zu das Leben einer Autorin, Therapeutin und Sängerin. Heute werde ich als Autorin eine Lesung aus meinem Buch „Heimgeschichten, alt und im abseits“ halten. Natürlich habe ich mich auf diese gründlich vorbereitet, weiß, welche Geschichten ich vorlesen werde und was ich erreichen möchte.

Starten werde ich mit einer Niederschrift, dessen Inhalt das Fundament ist. Denn ohne die Musik hätte ich nicht so einen Einblick in die Welt der alten Menschen haben können, aber auch nicht in die heilende Kraft der Musik.

Ich glaube zwar nicht, dass diese, meine Zeilen jemand lesen wird, sind es doch für die heutige, schnelllebige Zeit zu viele Buchstaben, aber wer weiß, vielleicht gibt es ja noch Menschen, die aufmerksam längere Texte lesen können.

Hier nun der Auftakt..

„Seit 13 Jahren reisen wir nun, angestiftet von unserer Überzeugung, die Lebensaufgabe eines jeden Menschen sei es anderen etwas zu geben, mit unserer Stimme, Musik und Melodien aus längst vergangenen Zeiten von einem Altenheim zum nächsten. Seit 13 Jahren beobachte ich diese Menschen. Menschen die viele Jahre gelebt haben und ihr zu Hause, ihr Leben verlassen mussten. Ich sehe, wie sie von den Klängen der Musik bezaubert in das bitter-süße Reich ihrer Erinnerungen getragen werden.
Ich sehe, wie sie von diesen Schätzen ihrer Lebensbilder laben und der Nektar das Tor ihrer müd´ gewordenen Augen entfesselt und den fackelnden Glanz wieder erstrahlen lässt. Nein, diese Augen kennen keinen Rollstuhl, keine Inkontinenz, kein Parkinson, keine Windeln, kein Kleiderschutz, kein „Na Omilein, wie geht´s uns denn heute?“, keine peinliche Abhängigkeit von den wirbelnden Launen wildfremder Menschen. Nein, dieser Glanz kennt den freien, fröhlichen Tanz des Lebens, kennt Aufbau; kennt die Unabhängigkeit; kennt den Kampf, kennt die Liebe und die Freiheit.
13 Jahre.
Seit 13 Jahren beobachte ich dieses bunte Treiben in den Augen. Sehe ich Seelen, die auf dem weichen Pfand der Musik die bleierne Schwere ihrer Schicksalskette verlieren. Seit 13 Jahren vertreiben wir die Last der Realität, und sagen mit der Musik: das Leben ist lebenswert!“

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