Die Sache mit dem „M“ in meinem Namen


Es ist doch so: wir alle kommen auf diese Welt und erhalten einen Namen.

Dieser soll und wird uns unser ganzes Leben lang begleiten. Auf diesen Namen hören wir, reagieren wir. Kurz- er gehört zu uns wie unsere Nase.

Mich kennt man hier unter den Namen Susanna M. Farkas.

Besonders abenteuerlustige Menschen fragen mich gern, was sich wohl hinter dem „M“ verbirgt.

Vielleicht eine Margot? Eine Magdalena? Oder eine Maria?

Heiße ich vielleicht Susanna Maria Farkas?

Nein.

Hinter diesem „M“ verbirgt sich mein richtiger Nachname.

Diesen richtigen Nachnamen gebrauche ich hier in Deutschland fast gar nicht. Denn er bereitet Probleme. Nicht mir. Den Deutschen. Aber das war schon immer so.

Schon als Kind wusste ich ganz genau, wann der Lehrer eigentlich mich meinte, aber keinen Ton von sich gab. Oder erblasste, sobald er meinen Namen lass. Kein Wunder also, dass ich heute noch sehr gut in den Gesichtern anderer lesen kann.

Um also den anderen mit meinem Namen keine Probleme bereiten zu müssen, lieh ich mir kurzerhand den Mädchennamen meiner Mutter. Farkas. Den kann jeder lesen und ohne große Komplikationen aussprechen. Alles wunderbar.

Problematisch wird es allerdings nur bei den Behörden, bei den Ärzten oder im Krankenhaus.

Denn diese bekommen nur meinen richtigen Namen zu Gesicht.

Dies sorgt natürlich für Unruhe. Nicht bei mir.

Neulich hatte ich das große Glück, wieder einmal das Innenleben eines Krankenhauses zu genießen.

Mein Weg führte mich direkt über die Notaufnahme.

Hier sitzt man mit vielen, vielen und noch mehr anderen kranken, leidenden Menschen in einem Raum und wartet.

Die Schwestern, Ärzte und sonstige Mitarbeiter des Hauses rufen dann die Namen der nächsten Kranken, die endlich mit ihrem Leid erhört werden.

So sitzt man da, und wartet auf seinen Namen.

Ich wusste, meinen Namen braucht keiner auszusprechen, denn ich erkenne ihn schon am schweren Atemzug des anderen und kann dann sofort „Ich komme!“, rufen.

Doch es kam kein schwerer Atemzug. Dafür aber ein junger Arzt. Er blieb in der Tür des Wartesaales stehen, schaute sich um, kam direkt auf mich zu und fragte: „Wie heißen sie?“

Wie wir dann gemeinsam zum Untersuchungsraum liefen, fragte ich mich die ganze Zeit, woher er wohl erkannt haben mag, dass ich diejenige bin, die sich hinter meinem Namen verbirgt? Warum ist er nicht zu der anderen da in der Ecke gegangen? Oder zu der, die neben mir saß? Warum zu mir? Stand mir gar das „M“ auf die Stirn geschrieben? Komisch.

Oben angekommen stellte er mir eine Frage, die mir alle, wirklich alle stellen:

„Nun sagen sie mal bitte, wie dieser Name ausgesprochen wird.“

Aus jahrelanger Erfahrung wusste ich, das ihn meine Antwort keineswegs beruhigen wird. Doch ich antwortete brav.

„Oh Gott!“, rief er. Und wurde blass. Typisch.

„Schreiben sie ihn mir bitte auf. Aber so, wie man ihn spricht.“

Ich nahm einen Stift und schrieb mit großen Buchstaben: MAROSCHWÖLDJI. Natürlich endet die Geschichte, hier an diesem Punkt, nicht. Aber nun wissen Sie, lieber Leser wenigstens auch, was sich hinter dem „M“ verbirgt. Mein richtiger Name Marosvölgyi.

P.s. …und nicht Marosvögli!

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