Die Sache mit der Notaufnahme


Die Sache mit der Notaufnahme

Betten.

Überall.

Den ganzen Flur entlang nur Betten.

Man sieht, Menschen haben darin gelegen. Heute Nacht. Nur heute Nacht?

Ich sitze auf einem Stuhl.

Ich sitze auf einem harten Stuhl in der Notaufnahme eines Krankenhauses.

Grund: Mein Körper hat sich auf seltsame Art und Weise selbstständig gemacht und Dinge entwickelt, die nicht sein sollten, nun aber sind.

Der Wartesaal ist voller Menschen. Große. Kleine. Dicke. Alte. Junge. Lebenslänglich bemalte.

Die ganze Welt leidet hier.

Es ist fast 16Uhr.

„Wir mussten heute Nacht alle draußen auf den Fluren schlafen. Alle Zimmer und Betten waren besetzt. Ich sag es ihnen, es war die Hölle. Hier bekommt man doch keinen Schlaf!“

Die Frau beklagt sich.

Alle anderen hören ihr zu und stimmen mit ein.

„Es ist unverschämt, wie lange wir hier warten müssen!“

Sie erzählen sich, wie lange sie hier schon sitzen und warten.

Sechs Stunden. 12Stunden. Vier Stunden. Acht Stunden.

„Das muss an die Öffentlichkeit!“

Brummt die lebenslänglich bemalte Frau mit ihrer verrauchten Stimme.

„Das kann doch nicht sein, dass man uns hier so lange warten lässt!“

 

Draußen auf dem Flur irrt eine alte Frau herum. Sie sucht etwas.

Ein Arzt eilt zu ihr. Fragt sie.

„Ich suche mein Zimmer.“

„Wo ist denn ihr Zimmer?“, redet er sie laut an.

„Ich weiß es nicht.“, sie ist verzweifelt.

„Wie heißen Sie denn?“

„Ich weiß es nicht.“

Der Arzt mit seinen zwei Telefonen ist unter Druck und verzweifelt. Er müsste weiter. Aber wo gehört diese alte Frau hin?

 

Irgendwo, ich kann es nicht sehen, wo, wird es plötzlich laut. Menschen streiten sich.

„Wenn Sie keine Geduld haben, dann gehen sie doch nach Hause!“, brüllt eine Frauenstimme hysterisch.

„Aber ich warte schon den ganzen Tag!“

„Das interessiert mich nicht!“

 

Ich sitze auf einem Stuhl.

Ich sitze auf einem harten Stuhl in der Notaufnahme eines Krankenhauses.

Hier, in Deutschland.

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