Im Unterwegs daheim


Ich glaube, im Leben eines jeden Menschen kommt irgendwann der Punkt, an dem er sich über sich und seine vergangenen Jahre, Monate, Tage Gedanken macht.

Bei mir kommt dieser Punkt ziemlich häufig. Wenn man mich fragt, warum ich so oft Rückschau halte, dann finde ich keine Antwort. Ich mache es einfach. Schon immer. Ich glaube, auch schon als Kind.

So ist es nicht verwunderlich, dass ich nun erneut inne halte und schaue.

Was ich sehe, sind Erfahrungen, sind neue Erkenntnisse, neue Einsichten.

Lange Zeit, vielleicht mein ganzes Leben lang suchte ich meine Heimat. Ich glaubte, diese an einem Ort finden zu können. Doch eines Tages hörte ich mich zu jemanden sagen: „ Ich fühle mich im Reisen zu Hause. Ich kann nicht nur an einem Ort sein. Da bekomme ich keine Luft. Ich habe das Gefühl ersticken zu müssen.“

Diese neue Sicht auf mich und mein Leben änderte so Einiges. Und zwar schlagartig. Denn es nahm mir meine uralte Last des ewigen Suchens.

Eigentlich hätte ich es schon lange sehen müssen, doch das späte Erkennen meiner wahren Gesichtszüge ist ein Teil meines Lebens.

Ich bin als Reisende geboren und werde es auch immer bleiben. Ich fühle mich im Unterwegs daheim und sicher.

Vor zwei Wochen saß ich noch auf einem Schiff. Nicht allein, sondern mit vielen anderen Menschen zusammen. Viele Menschen auf engem Raum können leicht unerträglich werden, mich aber inspirieren sie und öffnen mir mit ihren Verhalten neue Tore.

Sie zu beobachten ist eine Bereicherung.

Nach all den Tagen an Bord, den Stunden der stillen Betrachtung fragte und frage ich mich: sind wir nicht alle Reisende? Sind wir nicht alle im Unterwegs daheim?

Ist in Wahrheit das sesshafte Leben nicht unser Kreuz? Unser Kreuz, dass wir unser Leben lang mit uns herumschleppen? Unser Kreuz, dass uns den aufrechten Gang verbietet; das uns mit seiner verpflichtenden Last fast erdrückt. Viele aber tatsächlich erdrückt?

Leave a comment

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.