Madeira


Oft beschäftige ich mich mit Fragen, die für viele andere als sinnlos erscheinen. Auch schreibe ich Bücher über Themen, die kaum einer interessant findet. So zum Beispiel über die Frage, ob das Erkennen seiner Selbst wichtig ist oder nicht. Nicht viele finden diese Frage lukrativ. Wenige hinterfragen sich ernsthaft. Das musste ich erkennen und akzeptieren lernen.

So stelle ich meine Fragen, teile mein Erlebtes ohne Hoffnung auf Resonanz.

So auch diese.

Vor einigen Tagen noch befand ich mich auf hoher See. Mein Weg führte mich auf Madeira. Eine Insel, reich an natürlicher Pracht und Schönheit.

Wie der Maler stets Papier und Bleistift, der Fotograf sein Fotoapparat bei sich hat, so habe ich mein Notizbuch immer in meiner Tasche. Ich kenne mich und ich weiß, Zeiten der Reise sind für mich Zeiten des Schreibens. In diesem Buch wimmelt es nur von Schlüsselwörtern, die nicht verblassen. Noch nach Jahren weiß ich genau, warum ich sie schrieb, welche Gedanken ich in ihnen bündelte.

So schrieb ich, als ich von der Insel zurück an Bord war: Zimmerpflanzen, wahre Größe, Natur.

Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass ich Pflanzen, die ich eigentlich nur aus meiner Wohnung, oder Blumenladen kenne, in ihrer wahren Pracht und Größe sehen durfte. Ich habe gesehen, wie groß sie eigentlich werden können. In ihrem natürlichen Umfeld. Und ich habe erkannt, wie klein sie doch bleiben, wenn sie jenseits ihrer tatsächlichen Natur leben. Der Unterschied war gewaltig. Nie. Nie würden sie jenseits ihres natürlichen Umfeldes dieses Größe und Pracht erlangen. Selbst wenn sie sich noch so sehr anstrengten.

Der Mensch spielt selbst hier keine Ausnahme.

Auch er braucht sein natürliches Umfeld, um wachsen zu können. Das liest sich einfach. Ich weiß. Dies hört sich banal an. Aber lebt sich schwer, denn nicht jeder ist in seinem natürlichen Umfeld geboren und aufgezogen worden. Die meisten müss(t)en es noch suchen. Solange man nicht in seinem Element ist, kann man nicht das erreichen, was man für sich als normal empfindet. Selbst dann nicht, wenn man sich die allergrößte Mühe gibt. Jenseits seines Elements ist und bleibt man nur ein Bonseimensch. Beschnitten und klein.

Das wurde mir auf der Insel so klar, wie noch nie.

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