Rezension Mein Leben als Mime, Christoph Staerkle


Beweis, dass es geht!

Wie oft sagt man sich:“Ach, wenn ich dies und das könnte oder hätte, ja dann…dann wäre mein Leben ganz anders!“ Wie oft schiebt man den äußeren Umständen die Schuld in die Schuh´.

Dann aber gibt es immer wieder Menschen, die uns zeigen, dass eigentlich alles möglich ist. Obwohl die äußeren Umstände es eigentlich gar nicht erlauben würden.

Oder welche Chance sähen Sie für einen Menschen, der nicht so wie wir „Gesunde“ hören und auch nicht sprechen kann, auf die Bühne zu kommen? Würden Sie nicht sagen: „So hat man doch gar keine Chance! Was will so ein Mensch auf der Bühne? Was will er schon für ein Theater machen? Taub! Das ist ausweglos!“

Christoph Staerkle, der Autor des Buches „ Mein Leben als Mime; Der Taube, der sich ins Rampenlicht wagte“ hat einen, seinen Weg gefunden. Die Pantomime und die Bühne.

Ohne die Pantomime, so sagt Christoph Staerkle, hätte er das Leben nicht gepackt. Sie hat im die Möglichkeit gegeben zu kommunizieren, Geschichten zu erzählen und sich auszudrücken. Sie war das Tor zur Welt der Geräusche.

Christoph Staerkle beschreibt in seinem Buch sehr eindrucksvoll seine Kindheit, seine Zeit in der Schule, seiner Jugend und sein Leben als Künstler. Es ist ein Leben geprägt, aber auch gefordert und dadurch gefördert durch seine Taubheit. Dieses Buch ist ein Einblick. Ein Einblick in eine Welt ohne Lärm, Krach und Gerede. Es ist eine stille aber sehr bewegte Welt.

Ich habe von Christoph Staerkle sehr viel lernen dürfen. Noch nie zuvor hatte ich mir darüber Gedanken gemacht, welch bestimmende Rolle meine Hörfähigkeit spielt. Nie, wie wichtig es ist, reden zu können. Ich wusste all dies nicht, denn diese Gaben sind doch selbstverständlich. Dachte ich. Fälschlicherweise.

Ich habe mir vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn wir plötzlich alle nicht mehr hören könnten. Wenn wir nicht plappern könnten. Das Ergebnis meiner Beobachtungen und Gedanken ist fast schon erschreckend aber eigentlich logisch. Logisch, wenn wir uns umhören und zuhören.

Ein Großteil unseres Redens besteht aus :“Hast du gehört was der/die gesagt hat?“ Der Anfang und das Ende allen Übels.

Könnten wir nicht hören, dann gäbe es kein „Hast du gehört…“ nicht. Und gäbe es das nicht, dann sähe unsere Geschichte etwas anders aus.

Aufgezeichnet wurde das Buch von Johanna Krapf. Der Schreibstil ist sehr gut. Das Buch ist leicht zu lesen. Aber schwer zu verdauen.

Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der therapeutisch tätig ist und viel mit tauben Menschen zu tun hat. Das Buch ist für sie sicher eine große Unterstützung denn es gibt Kraft.

Und ich würde dieses Buch aber auch jedem empfehlen, der mal freiwillig über seinen eigenen Tellerrad schauen will. Es lohnt sich!

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