Rezension über Sándor Márai, Tagebücher 1984-1989


„Im Kaufhaus des Todes veranstalten die Kunden auf den Korridoren einen Rollstuhlwettkampf. Manche Leichen haben sich herausgeputzt. Alles lieber, nur das nicht, diesen Konsumtod.“ (Tagebücher 1984-1989; Sándor Márai)

Diese Tagebücher von 1984 bis zu seinem Freitod 1989 sind ein unglaublich bewegendes Zeugnis eines letzten Lebensabschnittes. Eines letzten Lebensabschnittes, in dem das langsame Verschwinden eines Menschen aus dem Mensch-Sein dokumentiert wird.

Unverblümt und karg ist die Landschaft seiner Notizen und eisiger Wind pfeift durch die leeren Gassen dieser einst so florierenden Gegend. Knapp und kurz sind die Eintragungen.

Manchmal nur ein Satz, ein Wort.

Manchmal nur ein Satz, ein Wort das Türen öffnet.

Türen in eine Welt der großen Mysterien.

In die Welt der Krankheit, des Sterbens und des Todes.

Hin zur Frage.

Zur großen Frage des: „Wie werde ich wohl sterben.“

Denn, so schreibt der Schriftsteller treffend und wahr, man hat nicht vor dem Tod Angst, sondern vor dem Sterben. Genauer: vor dem „Wie“ unseres Sterbens.

Márai selbst wählt am Ende seines Lebens den Freitod.

Ein großes Thema, dass er mit seiner Entscheidung und mit seinen Gedanken bis zu diesem Entschluss, berührt.

Denn, hatte er Recht mit seiner Entscheidung, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen?

Hatte er Recht, wenn er sich gegen das Dahinsiechen in einem Hospital für alte Menschen entscheidet?

Hatte er Recht mit seinem Gedanken:

„Es liegt etwas Taktloses darin, länger zu leben, als es sich gehört.“

Und wenn er sagt:

„Die Wissenschaft hat die Lebenszeit verlängert. Aber das Lebensgefühl hält nicht mit der verlängerten Lebenszeit schritt. Wenn jemand noch über achtzig hier ist, dann ist dies eher vegetatives Existieren als Leben; so einer lebt nicht mehr auf etwas hin, er lebt einfach nur.“

Ist ein einfaches nur Leben nicht mehr des Lebens wert?

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