Rezension zu Isabel Bogdáns „Laufen“


Wer Bogdáns „Der Pfau“ gelesen hat und eine ähnliche Geschichte erwartet, wird wohl von „Laufen“ etwas enttäuscht sein.

Leute, die lieber Bücher mit Gedanken lesen, werden aber daran mehr Freude haben, denn dieses Buch enthält neben vielen Buchstaben auch noch Gedanken. Nicht jeder Autor schafft das. Nicht jeder Autor schafft das immer.

Auffällig und sehr gewagt ist die Erzähltechnik. Es ist der innere Monolog, bzw. der Bewusstseinstrom. Der Leser befindet sich so zu sagen die ganze Zeit im Kopf, in der Gedankenwelt des Protagonisten. Es gibt kein „sagte er“, kein „ging sie“, kein „fragten sie“. Nein, es gibt nur die Gedanken. Gedanken, die, wie wir alle wissen, nie geordnet kommen, sondern oft genug assoziativ. Somit erlebt der Leser viele Sprünge, die aber im Buch doch zum Geschehen passen. Diese Erzähltechnik wird nicht oft gewählt, denn sie kann für den Leser schnell zu mühselig und ggf. langweilig werden. Doch der Vorteil ist, dass der Leser im Innenleben des Protagonisten (fest)steckt. Seine Gedanken werden zu denen des Lesers. Das ist eine Verschmelzung, eine Distanzlosigkeit, die ausgehalten und ertragen werden muss und die vom Leser viel abverlangt.

Zu diesem Buch und Thema passt diese Erzähltechnik hervorragend, gerade dann, wenn man dem Leser sagen will: Das könntest auch Du sein! Das könnte auch Dir widerfahren!

Die Hauptprotagonistin, die übrigens nie bei Namen genannt wird, somit also jeder von uns sein könnte, erlebt ein Trauma. Ihr Freund begeht Suizid. Nach einem Jahr Trauer wird sie von ihrer Freundin auf die Idee gebracht wieder mit dem Laufen zu beginnen. Der Leser steckt in der Gedankenwelt der Läuferin und läuft somit die ganze Zeit mit. Vom ersten Buchstaben bis zum letzten. 200 Seiten lang. In der Strecke von 200 Seiten geschieht viel. Die Protagonistin läuft sich gesund und frei. Schritt für Schritt löst sie sich von ihrem Schmerz, von ihren dunklen Gedanken. Es ist ein Lauf zurück in das Leben.

Das Buch ist ein sehr gut gelungenes Experiment der Autorin und es ist es auch für den, der das Buch in die Hand nimmt, denn diese Erzählform ist wirklich eine ganz Besondere.

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