Rezension zu „verstecken spielen, oder eintauchen in Opas verwirrte Welt“ von Katharina Göbel


Alles, nur keine Demenz!

Wer kennt sie nicht? Diese Angst seine Erinnerung und somit sich zu verlieren?

Wie oft hört man Menschen sagen: „Alles nur das nicht!“ Und mit „das“ meinen sie die Demenz.

Demenz, ein Syndrom mit tausend Gesichtern, und keiner kennt den Maler dieser.

Die Wissenschaft weiß weder ihren Grund, noch ihre Auflösung.

Die Demenz kommt, stiehlt uns all unsere Erinnerungen und zum Schluss verlässt man sein Leben als hätte man es nie gelebt.

Kein Wunder also die Angst vor diesem Phantom.

Katharina Göbel, die Autorin des Buches beschreibt den geistigen Zerfall ihres eigenen Großvaters.

Damals war sie noch ein Kind. Ein Kind, dass aber in seiner Einfachheit die verwirrte Welt ihres Opas besser versteht, als alle anderen um ihn herum.

Es ist ein ergreifender Bericht der aber gleichzeitig dem Leser viele dringende und zwingende Fragen aufwirft.

Gekonnt ist der Perspektivenwechsel innerhalb der Erzählung. Am Anfang gewährt die Autorin dem Leser einen Blick in die zerfahrene Gedankenwelt, aber gleichzeitig sehr sensiblen Gefühlswelt des verwirrten Opas um dann in die kindliche, aber klar denkende Welt des kleinen Mädchens einzutauchen. Eines kleinen Mädchens, das nicht versteht, warum ihr Opa nun in ein Pflegeheim MUSS? Das nicht versteht, warum der Opa nicht bei seiner Familie bleiben DARF.

Wie erklärt man das einem Kind? Wie erklären Sie sich das?

Ich würde dieses Buch jedem empfehlen. Denn es kann jeden treffen. So oder so.

Die Fragen warten auf eine Antwort.

Ein verstecken spielen lohnt sich nicht mehr!


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2 thoughts on “Rezension zu „verstecken spielen, oder eintauchen in Opas verwirrte Welt“ von Katharina Göbel

  • Rotraut Mielke

    Seit Anfang dieses Jahres erlebe ich mit, wie meine Mutter immer tiefer in eine Demenz sinkt. Ich könnte nicht beschreiben, welches Gefühlschaos ich seitdem durchlebt habe. Ausgerechnet meine Mutter, immer sachlich, klar denkend, überkritisch und mit „klaren Ansagen“ wusste nicht mehr, wie sie ihren Tag leben sollte. Sie hat vergessen zu essen, hat rapide abgenommen. Hat sich allein gefühlt, vergessen, dass ich gerade eben noch bei ihr war.
    Jetzt ist sie im Pflegeheim. Ich hatte Angst, dass sie sonst verhungert trotz täglicher Besuche, Essen kochen und aller Anstrengung, die mich selbst an den Rand der Erschöpfung gebracht hat. Es ist armselig, objektiv gesehen. Aber sie bekommt ihre regelmäßigen Mahlzeiten, die Medikamente, macht mit beim Singkreis und bei Ratespielen. Ich versuche, kleine Highlights zu setzen. Sie interessiert sich immer noch für Mode, hat mit großer Begeisterung gemeinsam mit mir eine Modenschau besucht. Kleine Spaziergänge. Und Ausblicke auf grüne Landschaft, das mag sie. Wie es in ihr drinnen wirklich aussieht, weiß ich nicht.
    Meine Mutter, so wie ich sie kannte, ist nicht mehr da. Und sie kommt auch nicht mehr zurück.
    Ich schreibe Romane, aber darüber könnte ich nicht schreiben. Dafür fehlen mir die Worte.

    • Susanna M. Farkas Post author

      Liebe Traudl, ich danke Dir für Deine Offenheit!
      Ja, es ist ein Thema, das man nur umschreiben, doch nie den Kern treffen kann.
      Ich habe im Laufe meiner Tätigkeit als Seniorengetreuerin mit vielen Angehörigen sprechen drüfen, die mit der Tatsache, ihre Eltern in ein Heim abgeben zu müssen mächtig zu kämpfen hatten. Sie empfanden es als ein Abschieben, Abgeben, Verlassen. Doch letztendlich geht es vielen alten Menschen in den geregelten Strukturen eines Heimes „besser“. Und trotzdem empfinden es selbst die älteren Menschen als ein Verlassen sein, als ein Abgeschoben sein. Eine klare Lösung gibt es nicht, denn wo will man ansetzen? Wir werden immer älter und so werden diese Einrichtungen notwendig und dringend. Was wir aber machen können ist, dass wir a.) die katastrophalen Zustände, die zum großen Teil in den Pflegeheimen herrschen, nicht zulassen und b.) dass wir das Gespräch mit den Menschen dieser Häuser suchen. Auch hier muss ich sagen, viele meiden diese Häuser. Aus Angst. Aus Angst ihre Zukunft sehen zu müssen. Doch damit vereinsamen die Menschen, die jetzt schon im Wartesaal festsitzen und einsam warten.