Rezension zum Buch „Der Pflege-Aufstand; ein Heimleiter entlarvt“, Armin Rieger


Endlich!

Mutige Worte und klare Fakten aus der Feder eines mutigen Menschen mit Herz!

Billig-Catering, mangelndes Personal, ungeschulte Aushilfen, körperliche und /oder seelische Folter, vereinsamte, verwahrloste Menschen sind nur einige Tatsachen, die das scheinbar freundliche und nette Gesicht eines jeden Heimes entstellt.

Ein unerfahrenes Auge würde die Zeilen dieses Buches als gar zu übertrieben empfinden. Das was Herr Rieger da schreibt kann nicht stimmen! Er übertreibt maßlos! Das kann alles nicht sein!

Die schlechte Nachricht aber ist: Herr Rieger übertreibt nicht, sondern er untertreibt! Denn, die Wahrheit ist noch viel schlimmer! Keinem Tier würde man all das, was den Menschen in den „Geldfabriken“, genannt Altenheim angetan wird, zumuten!

Keinem!

Wird ein Tier geschlagen, zucken viele zusammen.

Wird ein alter Mensch geschlagen, zucken fast alle nur mit den Schultern.

Wen interessiert es schon? Wenige. Sehr wenige.

Sicher hat Herr Rieger recht, wenn er unser Gesundheitssystem, das eher einem Krankheitssystem gleicht, anklagt. Doch das Problem, so glaube ich, liegt tiefer. Leider.

Solange die Moderne, getrieben vom Phantom der ewigen Jungend, das Alt-Sein als ein Makel verkündet, kann sich nur sehr schwer etwas ändern.

Solange bleibt es ein „David gegen Goliath“-Kampf.

Erst wenn wir wieder um die Güte des Alters wissen (sollten), wird sich etwas ändern können. Vorher nur sehr schleppend. Leider.

Und:

Solange alle Mitarbeiter, und nicht nur die Pfleger (!), dieser und ähnlicher Anstalten schweigen, nichts sagen nur um ihr sicheres Leben schützen zu können, wird sich nur sehr schwer etwas ändern. Können.

Herr Rieger, ich hoffe, dass viele diesen, Ihren Aufruf (richtig) verstehen, ihm folgen und den möglichen, im wahrsten Sinne des Wortes not-wendigen Folgen ihres Buches einmal danken können.

Ich danke jetzt.

Denn auch ich werde älter.

 

 

 


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One thought on “Rezension zum Buch „Der Pflege-Aufstand; ein Heimleiter entlarvt“, Armin Rieger

  • Sylvia Schöningh-Taylor

    Eine sehr kluge Rezension. Klar, wir wissen alle om den „Pflegenotstand“. Klar wir regen uns darüber auch als junge Menschen auf, als sozioökonomisches unter vielen haken wir es ab. Resigniert. Ausserdem ist es ja noch soo lang hin. Und vielleicht haben die ja bis dahin einen Jungbrunnen angezapft, so dass wir gar nichts mehr mit sowas zu tun haben?
    Und genau da setzt die Rezension an. Es hat nämlich ALLES mit der kollektiven und persönlichen Verdrängung des Alters zu tun, dass diese entwürdigende Behandlung alternder Mitmenschen achselzuckend hingenommen wird. Auf einer unbewussten Ebene betet unsere gesamte Gesellschaft das Idol der Jugend, des fitten Körpers an. Der spirituelle Himmel jenseits des knackigen Bizeps, der rasierten Möse, des Power Yoga ist gähnend leer. Dass die „Alten“ uns etwas zu geben haben an Weisheit, an tiefen Einsichten, an Erfahrungswissen, kommt gar nicht mehr in den Sinn.
    Dass die Rezensentin, diesen uns alle berührenden Aspekt , unsere Verdrängung des Todes als Körper, hervorhebt, ist inspirierend!