Rezension zum Buch „Karmaexpress“ von Sylvia Schöningh-Taylor


„Nein, so wie meine Mutter werde ich nie!“

„Ich werde meine Kinder anders erziehen!“

Wie oft hört man doch solche und ähnliche Aussagen. Wie oft hört man sich selbst, aber auch andere schwören, dass sie alles anders machen werden, als dies ihre Eltern taten. Wir wollen unsere Kinder anders erziehen. Wollen eine andere Ehe führen. Glauben aus den „Fehlern“ unserer Eltern gelernt zu haben.

Dann vergehen ein paar Jahre. Man heiratet. Bekommt Kinder. Man ist sich seiner sicher. Am Anfang. Denn es vergehen erneut ein paar Jahre und wie durch die Macht einer unsichtbaren Hand werden wir genau dorthin geführt, wo wir eigentlich nie hin wollten. Denn plötzlich lebt man in einer ähnlichen oder gleichen Konstellation, wie einst die eigenen Eltern. Plötzlich müssen unsere Kinder genau das erleiden, was wir selbst auch! Wollten wir sie davor eigentlich nicht schützen? Wollten wir eigentlich nicht alles ganz anders machen? Warum also diese Wiederholungen?

Es ist doch so: manchmal ließt man etwas, z.B. einen Titel eines Buches und man weiß sofort, dass man dieses Buch lesen MUSS. Genauso erging es mir, als ich den Titel „Karmaexpress“ im Newsletter des Verlages 3.0 lass.

Ohne lange zu überlegen bestellte ich es mir. Zwei Tage später hielt ich es in der Hand. Einen Tag später hatte ich es gelesen. Heute beschäftigt es mich immer noch.

Warum?

Das Buch, die Geschichte berührt viele Themen unseres Lebens so auch die Frage, warum sich gewisse Dinge in unserem Leben, in unserer Familiengeschichte immer wiederholen und unser Leben bestimmen.

Eine klare Antwort im Sinne von „Das ist so, weil…“ gibt die Autorin dem Leser nicht. Und das ist gut so. Vielmehr erzählt sie eine Geschichte einer Frau, die in ihren jungen Jahren viel Leid ertragen musste. Später versuchte sie vor den Folgen dieser Schmerzen zu flüchten. Sie stürzt sich ins Leben. Wer sich und sein eigenes Leben beobachtet, der weiß, dass solch eine Flucht nie glücken kann und das jede solche Ausreisaktion uns nur noch tiefer rutschen lässt. Ein Suizid oder Versuch eines solchen bleibt am Ende eines solchen Leidensweges selten aus.

Diesen Weg, den auch die Hauptprotagonisten des Romans geht, gehen viele andere Menschen auch. Ob sie es wissen (wollen) oder nicht. Ob sie es sich zugeben (wollen) oder nicht.

Gibt es da noch eine Lösung? Können wir diesem fast schon mystischen Kreis der Wiederholungen durchbrechen? Können wir uns von der Last der Vergangenheit befreien? Tatsächlich befreien.Und nicht nur Dinge anders machen wollen. Denn anders machen können wir zwar vieles, aber das, was wir anderes machen wollten, kehrt trotzdem zu uns zurück. Immer. Nur etwas anders gekleidet.

Ich glaube, die Autorin wäre nicht sie selbst, wenn sie in ihrem Roman nicht einen möglichen Ausweg aus diesem ewigen Leid-Labyrinth zeigen würde.

Ich würde dieses Buch jedem, der sich und sein Leben beobachtet und nach Antworten sucht, empfehlen.Es ist ein Wegweiser geschickt verpackt in einem Roman.

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