Seelenverkauf


Guten Morgen!

Es ist Samstag früh, 3Uhr41. In 50Minuten beginnt meine Arbeit.

In der Bäckerei. Als Verkäuferin.

Es ist Samstag. Ein Tag, an dem wir immer sieben Stunden lang den Wünschen sehr vieler Menschen lauschen. Jeder Samstag verläuft gleich und genau dies erlaubt es mir, den folgenden Text jetzt schon zu veröffentlichen.

Seelenverkauf

Es ist Samstag früh. 7 Uhr. Die Sonne scheint schon lange, die Vögel füllen die Luft noch immer mit ihrem prächtigen Gesang.

Ich stehe in einer Bäckerei. Hinterm Tresen, denn ich arbeite als Verkäuferin.

Die Kunden kommen. Und zwar aus allen Richtungen. Sie haben es eilig. Immerhin ist Wochenende und jede Minute, die sie in Freiheit verbringen dürfen, muss genutzt werden.

Wir, die Verkäuferinnen wissen was zu tun ist. Schnell müssen wir sein. Keine Sekunde ihrer kostbaren freien Zeit darf verloren gehen.

Wir geben uns alle Mühe. Packen die unzähligen Brötchen in die Tüten.

Zehn, 12, ungefähr acht oder sieben, 25.

Fragen: „Was darf sein? Wie viel Brötchen werden es denn?“

Der Druck wächst, denn es kommen immer mehr Menschen.

Der Laden füllt sich. Bald ist er überfüllt. Es bildet sich eine Schlange. Ungeduld liegt in der Luft. Es ist Samstag.

Wir packen, fragen, drehen und wenden uns.

Wir geben unser Bestes, doch das reicht nicht. Es müsste noch schneller gehen. Die Unruhe der freien Menschen verrät es mir. Zwingend folge ich dem Diktat. Werde immer schneller, verstehe aber gleichzeitig diese Eile nicht. Wohin rennen sie? Wohin rennen wir? Warum können sie nicht warten? Wenigstens ein wenig warten!?

Wir rennen und rennen…uns die Seele aus dem Leib.

Auf der Strecke bleibt genau das, weswegen wir dies tun.

Das Leben.

Das ist nicht traurig, sondern eine Tragödie.

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