Wir sind doch Deutsche!


Ich sitze in einem Kreis. Mit mir Kinder aller Nationalitäten und alte Menschen. Wir singen gemeinsam. Jeden Montag Nachmittag. Hier. Im Heim.

„So, und was sollen wir als nächstes singen?“, fragt die Musiklehrerin.

„Das schwedische Lied!“, ruft das eine Kind.

„Nein, das singe ich nicht mit. Warum müssen wir solche Lieder singen? Wir sind doch Deutsche! Warum singen wir keine deutschen Lieder?“, sagt und fragt eine alte Dame.

Die Lehrerin und ich zucken zusammen. Erstarren. Unsere Blicke finden sich. Haben wir richtig gehört?

Wir sind empört. Fassen das Gehörte nicht.

Wie kann diese Frau so etwas sagen !? Ein Großteil der Kinder hat einen Migrationshintergrund.

Da kann man doch so etwas nicht sagen! Ja hat die denn noch nie was von Integration gehört!?

Ich bin fassungslos. Enttäuscht.

Auf dem Heimweg bin ich noch immer mit dieser schrecklich diskriminierenden „Wir sind doch Deutsche!“-Aussage beschäftigt.

Wie kann sie nur! Unmöglich!

Doch plötzlich stocke ich. Und frage: Warum? Warum ist sie unmöglich? Hatte sie mit ihrer Aussage nicht Recht? Stimmt es etwa nicht, das sie alle Deutsche sind. Auch die Kinder sind, trotz ihres familiären Hintergrundes, alles deutsche Kinder. Sie hatte Recht und sie hatte die Kinder schon integriert.

Wir nicht. Für uns waren sie Ausländer.

 

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